Alpenüberquerung Tag 10, Donnerstag, 17. August 2023 – Süßes im Berghotel Breitmoos

Morgens 8 Uhr, strahlend blauer Himmel, frische Bergluft und große Stille. Du stehst in der Sonne auf der Terrasse der Berghütte, vielleicht schon mit einer Tasse Kaffee in der Hand, und schaust über die grünen Hänge auf die Berge um dich herum!

Das ist es, was eine Übernachtung auf einer Berghütte ausmacht. Hier bist wirklich dort, wo du gerade stehst. Und deine Gedanken schweifen nicht ab zu irgendwelchen Problemen des Alltages im Tal. Hier genießt du mit all deinen Sinnen. Deine Augen können sich nicht satt sehen an der Landschaft, den Farben um dich herum. Deine Ohren nehmen die Stille wahr, hören vielleicht einen Vogel, eine Krähe, oder die Glocken von Kühen in der Ferne. Deine Nase spürt diese frische, reine Luft und saugt sie begierig auf.

Hier geht´s hoch. Über einen kleinen Pfad durch die grünen Almwiesen, erst hoch zur Sintersbachscharte, dann zur Rosswegscharte auf 2.060 m Höhe und irgendwann dann über 900 Höhenmeter runter nach Klausen ins Berghotel Breitmoos auf 1.170 m Höhe.

Wir lassen uns etwas Zeit, aufzubrechen. Die Rucksäcke sind auch noch nicht wirklich leichter geworden, aber wenigstens wieder trocken nach dem Regen auf dem letzten Stück gestern. Heute ist die Tour mit rund vier Stunden ja nur halb so lang wie gestern. Und nach dem Aufstieg im ersten Teil der Etappe geht es schön runter. Das ist nicht so kräfteraubend. Mir macht das auch nichts aus. Manche haben ja Knieprobleme bei so langen Abstiegen, aber mir gefällts.

Sonja, die Bergziege, ist wieder flott unterwegs. Bergauf ist sie meist auch schneller, aber runter überhole ich sie!

Ein Blick zurück hinunter zur Bürglhütte. Wie mag es der Wirtin heute gehen? Heute kommen ganz sicher Tagesgäste zum Essen und Trinken und auch ein paar Wanderer zum Übernachten haben sich angekündigt.

Wir sind nun an der Rosswegscharte angekommen, dem höchsten Punkt heute, und machen erstmal eine kleine Rast. Das hierfür geschmierte Brot aus der Bürglhütte soll ja nicht unnötig geschleppt werden. Und heute Abend gibt es im Berghotel Breitmoos bestimmt ein leckeres warmes Essen.

Genug Wasservorräte sind heute auch kein Problem. Unter anderem können wir an dieser Quelle unsere Flaschen auffüllen.

Ja, und dann geht´s abwärts! Meter um Meter! Erst über die grünen Almwiesen, dann etwas steiler durch den Wald und schließlich mit wenig Gefälle über den Panoramaweg und den alten Passweg zum kleinen Ort Klausen. Hier führt auf ca. 1.200 m Höhe die viel befahrene Passstraße über den Thurn Pass bis in den Norden nach Kitzbühel. Der kleine Ort ist nichts Besonderes. Ein paar Häuser nur. Aber es wird gebaut. Eine größere Baustelle müssen wir umgehen. Wir erinnern uns wehmütig an heute Morgen auf der Terrasse vor der Bürglhütte …

Tja, hier ist eben mehr los. Eine Seilbahn aus dem Tal kommt im ersten Schwung bis hier hoch. Dann geht die nächste Seilbahn gleich weiter bis auf den Resterkogel auf 1.894 m Höhe. Wir merken es auch im Hotel. Alle Zimmer sind belegt. Und unsere Reservierung können sie erst nicht finden. Dann doch, aber kein Balkon mit Blick ins Tal. Nicht locker lassen! Zum Schluss bekommen wir auch den noch. Und am Rand des Hausgiebels, also etwas ruhiger.

Im Flur des Hauses hängt ein Bild aus vergangenen Zeiten. Die Passstraße gab es auch damals schon, aber alles sah doch irgendwie anders aus. Nun, wir können es sowieso nicht ändern und legen unsere Rucksäcke im Zimmer ab. Ein gutes Gefühl, so ohne! Jetzt erstmal auf die Terrasse und unser Schmutzbier trinken. Dazu gibt es ein Stück Käsekuchen. Wir sitzen mit Rücken zur Hauswand und genießen das Weizenbier, eins mit Alkohol für Sonja und eins ohne für mich. Dabei schauen wir auch schon mal in die Abendkarte und was es dort für Gerichte gibt.

Nach dem Duschen mit frischer Kleidung setzen wir uns wieder an den gleichen, reservierten Tisch auf die Terrasse und freuen uns aufs Abendessen. Wir teilen uns eine Frittatensuppe und essen dann als Hauptgang jeder Wild mit Knödeln. Dazu Rotwein. Alles lecker, aber das Besondere gibt es dann zum Dessert – beim Nachbartisch.

Was haben die dort? Wir wissen es nicht. Aber es muss eine Spezialität des Hauses sein. Wie es schon gebracht und auf den Tisch gestellt wird. Die Wirtin selbst lässt es sich nicht nehmen und die Gäste sind extra deswegen angereist! Wir sind neugierig, schauen immer wieder rüber und kommen dann ins Gespräch mit ihnen.

Es handelt sich um Salzburger Nockerln. Davon habe ich noch nie gehört. Deswegen habe ich mal ein bisschen gegoogelt:

Salzburger Nockerln sind eine aus Eier, Zucker und Mehl hergestellte Süßspeise mit Ursprung in Salzburg. Die Salzburger Nockerln besitzen eine charakteristische Form, welche an die verschneiten Salzburger Hausberge erinnern soll. Sie bestehen traditionell aus drei Nockerln welche goldbraun gebacken werden. Salzburger Nockerln werden mit reichlich Staubzucker bestreut und in einer Schüssel serviert.

Jedenfalls schwärmen die Gäste vom Nachbartisch so sehr davon und nachdem wir ihnen von unserer Alpenüberquerungstour erzählen schneiden sie ein Nockerl-Teil ab und reichen es uns. Wir müssten es unbedingt probieren! Was wir uns natürlich nicht zweimal sagen lassen.

Allerdings sind wir uns einig, dass es optisch mehr hermacht als geschmacklich. Aber egal, eine nette Geste von den Nachbartisch-Gästen und ein Erlebnis, das wir nicht so schnell vergessen werden.

So langsam ziehen die täglichen abendlichen Wolken auf und wir gehen aufs Zimmer. Heute bleibt es aber nicht bei ein paar Regentropfen. Wir sind froh, ein festes Dach in einem soliden Haus über dem Kopf zu haben. Denn vom Bett aus können wir sehen, wie es sintflutartig regnet und die Blitze eines Gewitters im Sekundentakt den Himmel aufreißen und hell erleuchten. Es hält lange an, klingt dann endlich ab, um kurze Zeit später noch einmal mit voller Wucht scheinbar direkt über uns zu kreisen. Irgendwann ist der Spuk vorbei und wir können doch noch etwas Schlaf finden.

Und hier die Karte unserer heutigen siebten Etappe:

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen