Als wir wieder aufwachen und auf den Balkon gehen und ins Tal blicken, ist von dem Unwetter gestern Nacht nichts mehr zu sehen. Ein paar Dunstwolken schweben noch über dem Tal, aber ansonsten sieht es so aus, als würde es wieder ein herrlicher Tag werden.
Heute steht auch nur ein kurze Wanderetappe an, hinunter vom Berg bis ins Tal, nach Neukirchen am Großvenediger. Ursprünglich wollten wir nur bis Bramberg am Wildkogel und von dort aus hoch zum Wildkogelhaus auf 2.000 m Höhe. Das geht aber nicht, denn dort ist ein Pächterwechsel und die Hütte ist zurzeit geschlossen.
Also gut, dann erst mal in Ruhe frühstücken.
Und dabei erfahren wir, was für ein Unwetter es gestern Nacht wirklich gewesen ist. Unten im Tal, 1.000 m unter uns, gab es in der Nacht Katastrophenalarm: mehrere Muren sind abgegangen, der Pegel des Rettenbaches ist dramatisch gestiegen, bis dieser über die Ufer gegangen ist und die Passstraße zerstört hat. Mehrere Häuser mussten evakuiert werden. In anderen Häuser sollten die Bewohner so lange bleiben, bis mit schwerem Räumgerät noch in der Nacht der reißende Bach wieder in sein Bett umgeleitet werden konnte. Die Trinkwasserversorgung ist noch immer in mehreren Orten unterbrochen. Menschen sind glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen.
Puh, das ist heftig! Wir sind keine 2 km entfernt, aber zum Glück weit oberhalb der dramatischen Ereignisse. 50 Liter Regenwasser soll dort innerhalb weniger Minuten runtergekommen sein.
Nach unserem Frühstück schauen wir als erstes nochmal runter ins Tal. Aber von hier aus ist nichts Ungewöhnliches zu erkennen. Das ist schon krass.

Für uns heißt es nun, die Rucksäcke packen und Abmarsch Richtung Neukirchen.
Gemütlich geht es hinunter über Wiesen und durch Wälder bis nach Mühlbach.

Dabei kommen wir an schönen Höfen vorbei.

Dann in Mühlbach im Tal angekommen sieht es nicht so spannend aus und wir entschließen uns, die letzten Kilometer mit dem Bus zu fahren.
Uns erwartet für die nächsten zwei Nächte das Hotel Hubertus. Ein Haus im klassischen Stil, schön mit den Holzbalkonen und den typischen Giebelformen.

Das beste am Haus ist aber der Natur-Badeteich mit seiner tollen Gartenanlage drumherum.
Wir sind ja schon am Nachmittag hier und können so alles nutzen und genießen. Die Abkühlung im Teich tut gut und anschließend strecken wir unsere Körper auf den Liegen aus und lassen uns von der Sonne verwöhnen.
Dabei denken wir darüber nach, ob wir uns nicht von einem Teil unseres Gepäcks trennen und es nach Hause schicken wollen. Inzwischen haben wir 8 von 21 geplanten Wandertagen hinter uns und können es ganz gut einschätzen, wie schwer die Rucksäcke sind und auf was wir eventuell verzichten könnten.
Da es auch ganz praktisch ist hier im Hotel, lassen wir uns einen Karton geben und packen ca. 2 kg von jedem ein und lassen es von der Rezeption per Paket nach Hause schicken.

Leichter und beschwingt gehen wir dann nach dem Abendessen in den Ort. Dort tritt auf dem zentralen Platz eine einheimische Kapelle bzw. Band auf. Die Sitzplätze sind gut gefüllt und es herrscht eine gute Stimmung. Später wird sogar getanzt. Wir selbst haben aber keine Lust dazu und gehen zu nicht all zu später Stunde aufs Zimmer und ins Bett.


Auf dem Heimweg kommen wir noch an einem Schaufenster vorbei, in dem ein Foto aus vergangenen Zeiten hängt. Allerdings, Lederhosen und Trachtenkleider gibt´s ja immer noch und selbst bayerische Ministerpräsidenten zeigen sich auf dem Oktoberfest damit in der Öffentlichkeit. Und wenn ich an das Bayernzelt auf dem Freimarkt in Bremen denke, da gehen mehr als 50 % der Besucher, zumeist junge Leute, „fesch“ gekleidet komplett in Tracht hin. Von daher zeigt es eigentlich gar nicht die vergangene Zeit. Auch wenn es für mich so wirkt.

Und hier zum Schluss wieder die Wanderkarte mit unseren Tourdaten.
