Alpenüberquerung Tag 04, Freitag, 11. August 2023 – vom Hintersee zum Hirschbichl

Unser zweiter Wandertag steht an. Durch den Zauberwald, rund um den Hintersee und durchs Klausbachtal hinauf zum Gasthof Hirschbichl, der auf 1.153 m auch gleichzeitig die deutsch-österreichische Grenze darstellt. Die Tour ist nicht ganz so lang, ca. drei Stunden und 13 km, aber dafür gibt´s auch die ersten knapp 500 Höhenmeter.

Der Blick vom Balkon im Beslhof hebt die Stimmung, blauer Himmel!

Den Rucksack muss aber doch noch jeder alleine stemmen und noch haben wir uns nicht daran gewöhnt. Auch die Stärkung durch das Frühstück hilft nur bedingt. Aber dann geht es los.

Hinein in den Zauberwald!

Gestern haben wir ja schon ein kleines Stück davon gesehen, aber heute mit den Sonnenstrahlen, die zwischen den Bäumen hindurch scheinen, ist es noch ein bisschen zauberhafter.

Und Sonjas kurze Hose passt auch gut zu den steigenden Temperaturen.

Dann kommt zum ersten Mal der Hintersee in Sicht. Hier beim Abfluss der Ramsauer Ache, die sehr flach aber breit in den Zauberwald abströmt.

Der Anblick wird farblich bestimmt von den vielen Grüntönen und dem sich darüber wölbenden Blau des Himmels. Inhaltlich kommt aber in der Mitte, noch klein, doch schon erkennbar, ein besonderes Gebäude zum Vorschein: das CVJM Jugend- und Freizeitheim. Es ist eines von sehr wenigen Gebäuden, die direkt am Hintersee stehen. Der kleine Ort selbst zieht sich ein wenig ins anschließende Tal hoch.

Besonders ist aber nicht nur die Lage des Gebäudes und der Blick von dort über den See auf die umliegenden Berge, sondern auch meine persönliche Beziehung zu diesem Haus. 1984 zu Studentenzeiten war ich mit der damaligen CJD Studentenschaft zum ersten Mal zu unserer einwöchigen Tagung dort. Bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens konnten wir als Studenten uns für einen Vortrag wünschen, sie persönlich einladen und vor Ort betreuen. Annemarie Renger war dort, der Regisseur Rainer Erler, der Fernsehjournalist Klaus Bednarz, Reimar Lüst, der damalige Chef der Weltraumbehörde ESA und viele andere. Gut kann ich mich noch an Prof. Hoimar von Ditfurth erinnern, er moderierte damals im ZDF die Wissenschafts-Sendung Querschnitte. Ich hatte ihn mir gewünscht und er hatte zugesagt.

Aber die Referenten und insbesondere bekannte Namen waren zwar einen starkes Argument, zu diesen Studententagen zu kommen, genauso wichtig erlebten wir jedoch die Gemeinschaft. Hier am Hintersee kamen wir zusammen mit Studenten aller Fachrichtungen aus allen Orten Deutschlands und es wuchsen aus spannenden Gesprächen am Abend bei einem Weizenbier Freundschaften, die zum Teil bis heute anhalten. Wir alle, ca. 100 Studentinnen und Studenten haben damals diesen Ort „am Ende der Welt“ sofort ins Herz geschlossen und sind von da ab jedes Jahr während unserer Studienzeit in der letzten Septemberwoche wiedergekommen.

1988 war ich das letzte Mal dort.

Nun, knapp 40 Jahre später, bin ich mit Sonja auf unserer Alpenüberquerung wieder hier! Ein emotionaler Moment!

In Erinnerung ist mir auch noch diese Stelle des Hintersees mit ein paar kleinen Inselchen. Hier wollte ich mich mit ein paar anderen Freunden 25 Jahre später wieder treffen. Ein „romantisches“ Vorhaben, das sich aber leider nicht erfüllt hat.

Allein schaue ich mir das CVJM Haus in Ruhe an. Sonja wartet draußen am See. Sie war damals mit der Studentenschaft noch nicht dabei.

Manche Räume sind noch so wie vor 40 Jahren, andere wie der Speisesaal aber komplett neu gebaut. Auch der Eingang ist nun nicht mehr von vorne vom See aus, sondern liegt nun in einem neu angebauten Teil hinter dem Haus. Es ist nicht mehr das Haus aus den 80er Jahren, das konnte ich auch nicht erwarten, aber in meinem Kopf sind die Bilder noch so präsent, abends bis in die Nacht beim Bier zusammen in der Bauernstube oder tagsüber bei den Vorträgen im ehemaligen Speisesaal oder auch im Regen mit Ruderbooten und Sonnenschirmen als Regenschutz auf dem See …

Was geblieben ist, ist der fantastische Blick vom Balkon!

Aber genug in der Vergangenheit gewühlt. Wir wollen ja weiter! Und vor uns liegt heute noch ein wunderschönes Tal hinauf zum Hirschbichl an der Grenze zu Österreich.

Entlang des kleinen rauschenden Baches, der mit seinem kühlen Gebirgswasser ein klein wenig angenehme Kühlung bringt. Die Temperaturen sind inzwischen knapp an die 30 Grad gestiegen und die Sonne strahlt den ganzen Tag über.

Auf uns wartet noch diese kleine Hängebrücke, um auf die gegenüberliegenden Seite des Flusses zu kommen.

Ein bisschen wackelig ist es schon, früher hätte ich damit so meine Probleme gehabt, aber zum Glück habe ich das überwunden.

Und bald dahinter kommt dann auch schon die Grenze zu Österreich.

Das ehemalige Zollhaus Hirschbichl ist heute ein beliebter Gasthof zum Rasten und Übernachten. Der Ort hat eine bewegte Geschichte hinter sich, er wurde erstmals im Jahre 14 vor Christus schriftlich erwähnt, als man Salz aus dem Berchtesgadener Land über den Pass ins Pinzgau brachte. Später erforderten die vielen Salzschmuggler, dass man feste Häuser für die Grenzer und Zöllner baute und so entstand dann auch ein Ausschank und ein Rasthaus für Grenzgänger. Heute ist der Hirschbichl in privater Hand und Sonja und ich nutzen ihn nach einem langen Tag für eine willkommene Übernachtung.

Vorher entspannen wir uns auf dem Liegestuhl und trinken statt des obligatorischen ersten „Schmutzbieres“ einen kühlen und leckeren „Holler“. Dieses Getränk kennen wir bisher noch gar nicht. Hier scheint es aber sehr beliebt zu sein. Es ist alkoholfrei und besteht aus einem Schuss Holunderblütensirup in Mineralwasser mit Kohlensäure, dazu eine Scheibe Zitrone. Also eigentlich nichts besonderes, aber nach einer längeren Wanderung sehr erfrischend.

Und hier die Karte zur heutigen Tour:

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