Alpenüberquerung Tag 18, Freitag, 25. August 2023 – Über die Weiße Wand nach Rein in Taufers

Wir sitzen beim Frühstück im Hotel in Kasern. Ich spüre zum ersten Mal auf unserer Alpenüberquerungstour etwas mehr Kribbeln im Bauch. Wie wird der heutige Tag? Schon bei den Planungen zuhause in Bremen gehörte diese Etappe mit zu den kniffligsten Tagen.

Es ist auch eine Frage des Wetters. Wenn wir oben am Sattel der Weißen Wand auf 2.500 m Höhe sind und schauen ins Tal auf der anderen Seite runter und es zieht eine dunkle Regen- /Gewitterfront auf, dann haben wir keine Unterstellmöglichkeiten da oben. Und wir müssen dann noch 1.000 Höhenmeter runter. Es gibt auf der heutigen Etappe nur eine einzige bewirtschaftetet Hütte und die liegt schon nah am Etappenziel in Rein in Taufers.

Und dann natürlich auch die Frage, wie steil ist der Grat, auf dem wir ein Stück gehen müssen? Aber zumindest hat uns der Bergführer im Ort bei der Infostelle zugeraten und auch noch einen Tipp gegeben für eine schönere Variante für den ersten Teil des Aufstieges.

Ja, dann mal los!

Kurz hinter dem Einstieg im Tal kommen wir, noch im kühlen Schatten, in den Wald und müssen steil nach oben auf schmalem Pfad. Um es noch spannender zu machen, liegen dann auch einige umgefallenen Bäume mitten auf dem Weg und erschweren den Beginn der Tour doch ein wenig.

Aber jetzt kann uns nichts mehr aufhalten!

Nachdem wir einige Höhenmeter hinter uns gebracht haben und mein Funktionsshirt gleich schon durchgeschwitzt ist, öffnet sich der Wald und der Weg geht frei am Hang weiter. Zwar noch im Schatten, aber wie es aussieht, kommt gleich um die Ecke die Sonne!

Der Blick ist so schon wunderschön! Rechts geht´s recht steil runter ins grüne Tal und vorne erwarten uns die Berge unter einem blauen Himmel. Nur ein paar leichte Schleierwolken sind aufgezogen. Aber die werden sich noch auflösen.

Und wirklich, um die Ecke herum gehen wir auf dem schmalen, noch feuchten Pfad der Sonne entgegen. Mein Herz schlägt höher. Für solche Ausblicke wandere ich auf die Berge und trage auch den schwersten Rucksack.

Und das Naturschauspiel geht weiter. Eine halbe Stunde später kommen wir an einem kleinen Gletscherausläufer vorbei. Obwohl wir in der Sonne stehen, spüren wir die Kühle des Eises.

Dann erreichen wir eine kleine Anhöhe mit herrlichem Blick über das Ahrntal, von wo wir herkommen, auf die andere Seite mit der prächtigen alpinen Bergkette. Inzwischen sind wir längst auch auf 2.000 m Höhe.

Eine alte verfallene Almhütte liegt dekorativ am Weg. Bewirtschaftete Hütten gibt´s, wie gesagt, leider nicht.

Aber wir finden auch so einen ausgezeichneten Rastplatz. Das morgens geschmierte Brötchen und das ja schon auf dem Pinzgauer Höhenweg lieben gelernte frische Quellwasser schmeckt und stärkt uns.

Auf dem weiteren Weg queren wir eine Almwiese mit dort grasenden Kühen. Diese mochte uns wohl besonders und wäre gerne mit uns mitgekommen. Aber zu ihrem Leidwesen kam sie an diesem Holzzaun dann nicht mehr weiter. Sie hat uns noch lange nachgeschaut und ich habe sie irgendwie ins Herz geschlossen.

Inzwischen ist es kurz vor 12 Uhr mittags und wir erreichen das Hasental mit dem Hasentalbach und der Hasentalalm.

Bis zu der unbewirtschafteten Hasentalalmhütte ist geht es nun über einen etwas breiteren Fahrweg stetig langsam bergauf. Die Weiße Wand, unser heutiger höchster Punkt, ist die Bergkette hinten am Ende des Tales rechts.

Aber der Weg zieht sich.

Und die Sonne sticht vom Himmel.

Jetzt wieder auf kleinem Pfad schlängelt sich der Weg noch über grüne Wiesen. Am Ende, schon jetzt sichtbar, wird es dann felsiger und steiler.

Viertel vor dreizehn Uhr, oben auf dem Grat ist ein Kreuz zu sehen und darunter auch zwei Wanderer. Die ersten zwei anderen Menschen heute. Wir haben aber noch einen Zickzackweg durch steiniges Gelände vor uns.

Zehn Minuten später: die zwei Wanderer sind am Kreuz angekommen.

Wir sind auf dem gut begehbaren Weg noch eine halbe Stunde zurück.

Und haben es dann auch geschafft. Oben auf dem schmalen Grat angekommen, sieht man auch, warum die Weiße Wand diesen Namen hat. Das weiße Gestein ohne Grün setzt sich deutlich von der umliegenden Fläche ab und ist auch aus der Entfernung, besonders von der anderen Seite, aus dem Knuttental, gut zu erkennen.

Links kann man schön unser Aufstiegsweg erkennen und den kurzen Abschnitt auf dem Grat, bevor …

… es dann anschließend rechts wieder steil bergab geht.

Vorher gibt´s dann aber noch eine kurze Pause.

Aber wirklich nur kurz. Es ist inzwischen 13:30 Uhr und unser Etappenziel Rein in Taufers liegt noch 1.000 Höhenmeter unter uns dort im Tal.

Die Entfernung macht uns dabei gar nicht so Sorgen, sondern die aufziehenden Wolken. Zum Glück liegt nun auf halbem Weg noch die eine bewirtschaftete Hütte, die Durraalmhütte.

Wir sind jetzt auch wieder aus dem felsigen Gelände raus und genießen den Abstieg durch eine wunderschöne grüne Landschaft.

Und da ist sie auch schon, die Durraalm. Hier treffen wir Tageswanderer aus dem Knuttental bzw. Rein in Taufers. Nach einer kurzen Diskussion, ob wir aufgrund der Wetterlage eine Rast machen wollen oder nicht, kehren wir kurz ein, machen es uns gemütlich und bestellen ein kühles Getränk.

Der Blick zum Himmel lässt uns aber nicht zu lange verweilen, wir wollen noch trocken unten im Tal ankommen und ohne Gewitter auf der Strecke.

Das schaffen wir dann auch! Und wir kommen im gemütlichen, familiär geführten Hotel Berger an. Dort haben wir für zwei Nächte unser Zimmer mit Halbpension gebucht.

Auf besonderen Wunsch erhalten wir sogar einen Tisch zum Abendessen auf der offenen Veranda mit Blick ins Tal und die Berge gegenüber, von denen wir irgendwie nicht genug bekommen können.

Mit einem leckeren Essen und südtiroler Rotwein geht der Tag dann zur Neige und wir fallen nicht zu spät ins Bett.

Hier wieder die nackten Zahlen und unsere Route von einem Tal zum anderen.

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