Wir haben sehr gut geschlafen nach der anstrengenden aber unvergesslichen Tagestour gestern. In der Nacht musste ich einmal auf Toilette und dazu das Zimmer verlassen und außen rum ums Haus gehen. Das war eine gute Fügung, so konnte ich den phantastischen Sternenhimmel sehen. Kein Licht störte das Sternenbild. Selbst die Milchstraße war gut zu erkennen. Diese Obere Tauernalm ist ein Glücksgriff. Die spektakuläre Lage unterhalb des Krimmler Tauernpasses und oberhalb des Ahrntales trägt dazu bei, aber auch die Menschen, die sie bewirtschaften. Wir haben ja nun schon so einige Berghütten kennengelernt, aber diese wird wirklich persönlich und liebevoll geführt.
Das morgendliche Frühstück ist auch wieder ein Traum. Praktisch alles ist selbst gemacht und mit viel Liebe angerichtet.
Wir sitzen wieder auf unserem Stammplatz an der Hauswand mit dem tollen Blick ins Tal und staunen insbesondere über unseren reich gedeckten Tisch und …

… das Schinken / Käse Brett. Wenn man bedenkt, dass einem manchmal nur eine oder zwei Scheiben Wurst und eine Scheibe geschmackloser Käse angeboten wird, dann ist das hier ein köstliches Mahl. Und selbstverständlich können wir alles, was wir nicht aufessen, mitnehmen. Und vom Preis mal ganz zu schweigen. Das Zimmer incl. Frühstück ist neben der Bürglhütte das günstigste der gesamten Tour.

Inzwischen ist auch die Sonne hinter dem Haus rumgekommen und wir lassen es ganz ruhig angehen. Heute haben wir nur den kurzen Abstieg nach Kasern im Tal zu gehen. Eigentlich wollen wir auch gar nicht los, anders als in den letzten Tagen. Als würden wir ahnen, was uns unten erwartet …

Irgendwann erheben wir uns dann aber doch, packen die Sachen im ehemaligen Pferdestall zusammen und verabschieden uns von der Wirtin und ihren Töchtern. Ein letzter Blick nochmal zurück …


und noch ein allerletzter!

Und das erwartet uns! Ein liebliches und sehr beliebtes Tal mit dem Flüsschen Ahr bzw. Aurino auf italienisch. Denn seit dem Überschreiten des Passes sind wir in Italien.

Zum Glück schlängelt sich der schmale Pfad hinunter, wir haben also noch etwas mehr Zeit hier oben und wir haben mehrfach Gelegenheit, …

… von den Blaubeeren zu naschen. Sonjas Zunge war schnell dunkelblau!

Und wie gewohnt, immer wieder kreuzen kleine Gebirgsbäche mit klarem, frischen und eiskaltem Wasser.

Unten auf dem Hauptweg durchs Tal angekommen, bekommen wir dann aber einen Kulturschock. Unmengen von italienischen Klein- und Großfamilien kommen uns entgegen und lassen sich in den Almhütten nieder. Es ist noch Urlaubszeit. Und wie das so mit fröhlichen Italienern ist, sie sind irgendwie doch deutlich lauter.
Wir wünschen uns zurück auf die Obere Tauernalm…
Aber dann begrüßt uns doch noch ein ruhiger Geselle und schaut uns an, als ob er genauso denkt wie wir!

Hier haben wir ein Zimmer gebucht für zwei Nächte. Im Berggasthof Stern. Aber – wie das manchmal so ist, irgendwie ist die schriftlich per Mail bestätigte Reservierung nicht in die Zimmerplanung eingeflossen. So stehen wir also einem alten Mütterchen gegenüber, das behauptet, sie wüsste von keiner Buchung auf unseren Namen und außerdem seien alle Zimmer voll. Auch ein Anruf bei ihrem Sohn bringt erst keine Aufklärung, bis er dann doch nochmal in seine Mails schaut und seine Bestätigung an uns findet. Trotzdem, ein schönes Zimmer ist nicht frei und ein Notzimmer gefällt uns nicht. Der Wirt telefoniert dann aber noch im Ort herum und kann ein freies Zimmer in einem anderen Hotel, nur wenige Meter entfernt, finden. Wir lassen uns darauf ein, schauen es uns an und nehmen es. Nun sind alle zufrieden und …

… wir gehen auf eine Almhütte am Dorfrand und trinken unser Schmutzbier, diesmal zwei Weizen, wie immer eins mit und eins ohne Alkohol.

Im Dorf gibt es auch eine kleine aber feine Touristeninfo. Und dort steht ein Modell, welches das Ahrntal mit seinen umliegenden Bergketten plastisch darstellt. Wir können darauf anschaulich unsere zwei letzten Etappen und die nächste Wandertour übermorgen nachvollziehen. Ich habe die Tour vom Krimmler Tauernhaus auf 1.600 m Höhe bis zum Krimmler Tauernpass auf 2.633 m Höhe (X1) und runter zur Oberen Tauernalm (X2) sowie von dort bis runter nach Kasern auf 1.582 m Höhe im Tal gelb markiert. Die Etappe übermorgen von Kasern hoch zur Weißen Wand (X3) auf 2.518 m Höhe und auf der anderen Seite runter nach Rein in Taufers im Tal auf 1.600 m Höhe ist blau gekennzeichnet.
Diese zwei bzw. drei Etappen zeigen den typischen Verlauf eine Alpenüberquerung von Norden nach Süden. Erst rauf auf eine West-Ost verlaufende Gebirgskette mit Übernachtung oben am Berg und dann runter ins Tal mit einer Übernachtung dort, bevor es dann wieder hoch geht über die nächste Gebirgskette mit anschließendem Abstieg ins nächste Tal.

Und hier die Karte und die Daten von Outdooractive für die heutige kurze Etappe von der Oberen Tauernalm nach Kasern. Mit dieser App habe ich alle Etappen geplant und dann auch aufgezeichnet. Es erweist sich als hilfreiches und stimmiges Planungsmittel. Wanderkarten auf Papier haben wir gar nicht mehr dabei.
